Zukunftsmut wächst dort, wo Liebe ist
Wenn sich ehrenamtlich Engagierte aus Besuchsdiensten und Nachbarschaftshilfen treffen, trifft man auf geballte Leidenschaft für tätige Nächstenliebe in oft jahrzehntelanger Treue. Das "Netzwerk von Ehrenamtlichen", wie der Name der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) erläuternd lautet, ist ein Zusammenschluss freiwillig sozial engagierter Frauen und Männer in Kirchengemeinden und sozialen Einrichtungen, gleichsam die eine Herzkammer der Kirche, die dazu beiträgt, im Geiste des Evangeliums den Auftrag zu solidarischer Hilfe zu verwirklichen. Beim Diözesanbegegnungstag mit Vertreter- und Vertreterinnenversammlung der CKD auf dem Schönenberg ging es um Austausch, Stärkung und Wertschätzung und um die Frage, wie sich das sozial-karitative Ehrenamt angesichts der vielen Herausforderungen und Veränderungen in Kirche und Gesellschaft auch in Zukunft gut gestalten lässt. Denn auch das Ehrenamt steht unter Druck, die Zahl der Engagierten sinkt.

Mit "Zukunftsmut" haben deshalb die Verantwortlichen des CKD-Diözesanverbands das Treffen überschrieben. Die biblische Figur des Elija stand dabei Pate, jener Prophet aus dem Alten Testament, der mit großem Eifer für die Sache Gottes streitet, der aber auch ins Grübeln kommt und Erschöpfung, Ängste und Sorgen kennt; der sich von Gott aufrichten lässt, weil er Vordergründiges loslässt und staunen lernt; weil er spüren darf, "was Leben eigentlich ist: nämlich verbunden sein mit dem Leben und verbunden sein mit dem, der das Leben gibt und das Leben will", wie CKD-Diözesanvorsitzende Brigitte Neyer-Strohmaier in ihrem spirituellen Impuls formulierte.
Was in krisen-geprägter Zeit Zukunftsmut heißen kann und woher Zukunftsmut zu nehmen ist, formulierte Professor Martin Kirschner in einem als Audio übermittelten Grußwort. "Es kann nicht um Schönfärberei, Verdrängung oder Zweckoptimismus gehen, sondern um das, was im Zentrum unseres Glaubens steht: Hoffnung", sagte Kirschner, der den Lehrstuhl für Theologie in Transformation an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt innehat und ständiger Diakon in Tübingen ist. "Hoffnung meint einen realistischen Zukunftsmut, der handlungsfähig macht und es möglich macht, sich den Herausforderungen zu stellen: persönlich, aber auch als Organisation oder Verband."

In Anlehnung an ein berühmtes Zitat von Václav Havel, dass Hoffnung nicht die Überzeugung sei, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht, wünschte Kirschner den ehrenamtlich Engagierten ebendiese Erfahrung von Sinn im Tun, denn "sie ist das, was Engagement trägt, auch wenn die Gesellschaft und die Welt um uns herum in desaströse Richtungen zu kippen droht". Im Glauben erfahre diese Hoffnung eine Vertiefung, wenn es gelingt, "alles im eigenen Tun und Zweifeln und Suchen Gott anzuvertrauen und in seine Hand zu legen". Zukunftsmut wachse letztlich dort, "wo ich den Anderen in den Blick nehme und aufhöre, um mich selbst zu kreisen". Mit anderen Worten bedeute dies, so Kirschner: "Zukunftsmut wächst nicht nur aus Überzeugung und aus dem Dennoch-Vertrauen des Glaubens in Gott, er wächst dort, wo Liebe ist. Es ist die Caritas selbst, die Zukunft eröffnet und Mut macht." Es gelte, "die verbandlichen Strukturen und die Kultur der Caritaskonferenzen daran auszurichten, dass diese eigentliche, das Engagement motivierende Erfahrung leitend wird und das gemeinsame Tun prägt: Das Handeln aus Überzeugung, das Vertrauen in Gott und vor allem, das zwischenmenschliche Wohlwollen absichtsarmer Liebe".
Dass der anstehende Veränderungsprozess ein Prozess ist, für den es auch Leichtigkeit, Kreativität und Humor braucht, zeigte Q-rage mit spritzigem Improvisationstheater. Die Vertreter- und Vertreterinnenversammlung gab grünes Licht für das mutige Weitergehen in diesem Prozess. In Gesprächsrunden, Mini-Workshops und einem gemeinsamen Gottesdienst setzten sich anschließend die ehrenamtlich Engagierten mit dem Thema auseinander. Sie tauschten sich über Erfahrungen und Chancen aus, neue Ehrenamtliche zu gewinnen, nahmen im Gestalten eines Zukunftsbaums das Fundament und die Ressourcen sowie die mögliche künftige Gestalt ihres persönlichen und verbandlichen Engagements in den Blick oder übten sich in Teamarbeit auf dem Wagemut-Parcours mit Strippensurfer und Schwungtuch. Auch das Angebot, einen Sonnenfänger aus Perlen und Acrylsteinen zu basteln, fand regen Zuspruch: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen die kleinen Anhänger, die das Licht sammeln und in vielen Farben tanzen lassen, mit nach Hause als Zeichen für Zuversicht, Verbundenheit und den Mut, die Zukunft mit Gottvertrauen zu gestalten.
Quelle: Mit Zuversicht in die Zukunft | Diözese Rottenburg Stuttgart - Autor: Pavel Jerabek
Ein Video zur Veranstaltung von Pavel Jerabek finden Sie auf Facebook unter diesem Link