Ludwigsburg, 8. Mai 2026 - Geschichte war an diesem Vormittag nicht etwas Vergangenes, sondern spürbar präsent. Im Großen Saal des Kulturzentrums Ludwigsburg brachten die Enkel Europas gemeinsam mit den Jungen Europäern, der Europa Union Ludwigsburg und der Stadt Ludwigsburg Zeitzeuginnen und Schülerinnen des Friedrich-Schiller-Gymnasiums zusammen - ein eindrucksvolles Zeichen für Erinnerung, Verantwortung und Zukunft.
Der Termin war bewusst gewählt: Der 8. Mai markiert das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und den Beginn eines demokratischen Neubeginns in Deutschland. Gleichzeitig führt er direkt zum Europatag am 9. Mai und schlägt damit die Brücke von der Erinnerung an Krieg und Diktatur zur Idee eines friedlichen, vereinten Europas.
Vergangenheit und Gegenwart verbanden sich an diesem Vormittag auf eindrückliche Weise.
Mahnung und Ermutigung
Mit ihrem Video-Grußwort unterstrich Europaabgeordnete Prof. Dr. Andrea Wechsler die Bedeutung von Erinnerung, solidarischem Handeln und aktivem Einsatz für Demokratie. Ihre Botschaft an die Jugendlichen war klar: Demokratie lebt vom Mitmachen.
Zeitzeugnisse, die unter die Haut gehen
Besonders bewegend waren die persönlichen Berichte der geladenen Zeitzeug*innen.
Gero Dorda erzählte von seiner Kindheit als Vertriebener aus dem Sudetengebiet und davon, wie gesellschaftliches, politisches und ehrenamtliches Engagement für ihn zur Selbstverständlichkeit wurde. Ida Goslar, ebenfalls Kriegskind aus dem Sudetengebiet, schilderte eindringlich Erfahrungen von Flucht, Hunger und Verzicht. Ihre Erinnerungen erfüllten den Saal mit einer tiefen Stille - und endeten in einem leidenschaftlichen Appell für Menschlichkeit, Frieden und Demokratie.


Ergänzt wurde das Programm durch ein Videostatement von Rolf Bopp, der seine Erinnerungen an den Brand der Ludwigsburger Synagoge teilte - ein mahnender Blick auf die lokale Geschichte und ihre bis heute spürbaren Folgen.

Demokratie vor Ort entdecken
Im anschließenden Workshop "Demokratie verorten - europäischer Geschichte lokal begegnen" wurden die Jugendlichen selbst aktiv. Sie setzten sich mit Orten in Ludwigsburg auseinander, die für sie persönlich oder historisch bedeutsam sind, und entwickelten kreative Ideen, wie diese Plätze über soziale Medien, Videos oder Texte sichtbar gemacht werden können. So wurde Geschichte nicht nur erinnert, sondern neu erzählt - aus der Perspektive junger Menschen.
Soziales Engagement mit Geschichte verbindet - was die CKD mit den Enkeln Europas verbindet
Bereits 2016 hatten die Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) in der Diözese Rottenburg‑Stuttgart mit dem Projekt "Bewegende Momente" Kriegskinder und Ehrenamtliche zusammengebracht. Ziel war es, Lebensgeschichten zu bewahren, weiterzugeben und daraus für die Zukunft zu lernen - die Dokumentation von Lebenserinnerung wurde zum Ort der Wertschätzung wechselvoller, oft leidvoller und zugleich ermutigender Erfahrungen. Aus Interviews, Texten und öffentlichen Lesungen entstand ein nachhaltiges Erinnerungsprojekt, das bis heute wirkt.
Über die Website "Bewegende Momente" entdeckten die Enkel Europas die Aktivitäten im Rahmen des Projektes. So verband sich das Engagement für Erinnerungskultur im sozialen Ehrenamt mit der Demokratiebildung der Enkel Europas - generationsübergreifend, lokal verankert und europäisch gedacht.
Ein starkes Zeichen für die Zukunft
Der Vormittag in Ludwigsburg machte deutlich: Geschichte endet nicht in Büchern. Sie lebt in persönlichen Geschichten - und in der Verantwortung der nächsten Generation, sie weiterzutragen.
"Bewegende Momente" - Teilprojekt der CKD - Lebensgeschichten
Sigrid Schorn, CKD-Diözesanreferentin und Beauftragte für Geistliche Begleitung