Hitzeschutz ist keine Option - Hitzeschutz ist Pflicht
CKD-Bundesverband: Berlin, 13. Juli 2026 - Ein Ehrenamtlicher aus dem Netzwerk der Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD) schrieb uns in diesen Tagen.
Er begleitet seit Jahren eine hochaltrige Frau, die er regelmäßig im Pflegeheim besucht. In der Hitzewelle reagiere sie kaum noch, wirke ganz apathisch, erkenne ihn nicht mehr. "Jetzt bringt sie die Hitze um", schrieb er, "und es ist extrem traurig, mit anzusehen, wie sie langsam verlischt." Und er fügte hinzu: "Das, was sie erleidet, ist das ganz aktuelle Schicksal so vieler Menschen in unserem Land."
Seine Erfahrungen teilen so viele, eine stille und nahezu unsichtbare Seite einer Katastrophe, die sich gerade in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Wohnungen und Nachbarschaften in ganz Deutschland abspielt. Und es sind nicht nur die Patient*innen und Bewohner*innen, die leiden: auch die Pflegenden und Betreuenden tragen die Last dieser Hitze mit. Wer in Pflegeheimen und Krankenhäusern arbeitet, trägt Verantwortung für besonders verletzliche Mitglieder unserer Gesellschaft. Beschäftigte, Patient*innen und Bewohner*innen brauchen verbindliche Hitzekonzepte und wirksamen Hitzeschutz, als grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Sicherheit und würdevolle Pflege.
Als Caritas-Konferenzen Deutschlands sagen wir deshalb unmissverständlich:
Wer den Schutz besonders verletzlicher Menschen ernst nimmt, darf beim Hitzeschutz nicht sparen. Klimaanpassung bedeutet unmittelbare Verantwortung für den Schutz von Menschenleben.
Ende Juni haben die extremen Temperaturen erneut gezeigt: Hitze ist längst kein bloßes Wetterphänomen mehr. Sie ist eine der tödlichsten Folgen des Klimawandels und sie trifft nicht alle gleich. Laut aktuellem Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI), Stand: 09. Juli 2026, wurden im Sommer 2026 bis einschließlich Kalenderwoche 26 bereits rund 5.120 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland geschätzt. Der größte Anteil entfällt auf alte Menschen: Rund 2.950 Verstorbene waren 85 Jahre oder älter, weitere 1.320 waren zwischen 75 und 84 Jahren. In der Rekordhitze-Woche vom 22. bis 28. Juni 2026 mit regional über 40 Grad betrug die Zahl der hitzebedingten Todesfälle rund 4.300.
Wer ist besonders gefährdet: Zu den Risikogruppen zählen besonders Bewohner*innen von Pflegeheimen sowie Patient*innen in Krankenhäusern. Klimaanlagen fehlen vielfach; veraltete Gebäude und knappe Mittel verhindern die notwendige Ausstattung. Nach mehreren heißen Tagen speichern viele Häuser die Wärme so stark, dass selbst die Nächte keine Erholung mehr bringen. Hinzu kommt die besondere Situation hochbetagter, pflegebedürftiger oder an Demenz erkrankter Menschen. Viele verspüren kaum noch Durst oder verstehen nicht, weshalb Fenster geschlossen bleiben oder sie häufiger trinken sollen. So werden Pflegeheime und Krankenhäuser während Hitzewellen zu besonders sensiblen Orten hitzebedingter Gesundheitsgefährdung und Sterblichkeit.
Was wir fordern: Hitzeschutz darf nicht länger vom Engagement einzelner Einrichtungen abhängen. Er muss verbindliche Aufgabe der Gesundheits-, Sozial- und Klimapolitik werden. Wer besonders verletzliche Menschen schützen will, muss jetzt in den klimagerechten Umbau von Pflegeheimen, Krankenhäusern, Kitas und sozialen Einrichtungen investieren. Notwendig ist eine verlässliche Finanzierung für Beschattung, Kühl- und Lüftungstechnik sowie bauliche Anpassungen. Wohlfahrtsverbände, Einrichtungen und Ehrenamt sollen beteiligt werden, verbindliche Hitzeschutzstandards für Krankenhäuser und Pflege sowie kommunale Hitzeschutzpläne zu entwickeln. Das Förderprogramm "Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen" soll wieder aufgenommen werden. Gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Krankenhaus-Hilfe (BAG KK-H), fordern wir: Krankenhäuser und Pflegeheime müssen im Zentrum verbindlicher Hitzeschutzpolitik stehen.
Umso unverständlicher ist es, dass das Förderprogramm für die Klimaanpassung sozialer Einrichtungen (AnpaSo) 2026 derzeit nicht für neue Antragstellungen geöffnet ist. Für Pflegeheime, Krankenhäuser, Kitas und soziale Einrichtungen bedeutet das, dass dringend notwendiger Hitzeschutz weiter aufgeschoben wird, obwohl die nächste Hitzewelle nur eine Frage der Zeit ist.
Auch der Deutsche Caritasverband hat dies in seiner Mitteilung vom 09. Juli 2026 klar benannt: "Wer beim Klimaschutz spart, riskiert Menschenleben." Caritas-Vorstand Friedrich von Schönfeld warnt vor Kürzungen beim Klima- und Transformationsfonds und vor Folgen "bis hin zu Übersterblichkeiten". Wir schließen uns dieser Warnung ausdrücklich an: Klimaschutz, Klimaanpassung und soziale Gerechtigkeit gehören zusammen.
Über die CKD: Die Caritas-Konferenzen Deutschlands e.V. (CKD) ist das bundesweite Netzwerk von rund 45.000 Ehrenamtlichen in der sozialen und karitativen Arbeit. Als Fachverband im Deutschen Caritasverband und Mitglied der Association Internationale des Charités (AIC) vertritt die CKD die Interessen engagierter Menschen auf Bundes- und internationaler Ebene.