Die Gaben der Könige - Die Gaben von heute im Quartier
Kürzlich haben wir Dreikönig gefeiert. Eine Geschichte von Menschen, die sich auf den Weg machen, weil sie spüren: Da ist etwas Heiliges mitten unter uns.
Sie bringen Geschenke mit - kostbar, symbolisch, voller Bedeutung.
Diese Geschichte wird für mich gelebte Wirklichkeit,
wenn ich sie mit den Erlebnissen und Erfahrungen aus der Arbeit in der Quartierspastoral in Mönchfeld in Verbindung bringe.
Gold - der Reichtum, der ermöglicht
Gold zeigt sich im Wohlstand der Möglichkeiten, die uns geschenkt werden: zum Beispiel
- finanzielle Förderung durch die Diözese, die B.-Moser-Stiftung, die CKD
- Spenden durch Kirchenmitglieder
- kürzlich die Sonntagskollekte
- Kaffee-, Kuchen-, Gebäckspenden,
- Spende von neuer schöner Sitzgruppe für das Foyer
- finanzielle Mittel für die Kaffeemaschine
- Materialien, Räume, Zeit.
Aber vielleicht noch kostbarer ist das soziale Gold:
Menschen bringen sich ein - mit ihren Fähigkeiten, ihren Ideen, ihrem Netzwerk.
Kooperationspartner:innen wie Mobifant mit Daniel und Linus, das Jugendhaus mit Sarid, GES mit Benni und Patricia, die Jugendfarm, das Amt für Sport und Bewegung, Schulsozialarbeit und Schulkindbetreuung, der KGR und viele Gemeindemitglieder, das Seniorenzentrum St. Ulrich und der Seniorenpark, die Stadtteilbücherei mit Buchgeschenken, die evangelische und die kommunale Gemeinde, die Kolleg:innen aus Freiberg, der Bürgerverein -
und auch Nachbar:innen vom Möchsteinplatz, die Milch ausleihen oder Bastelmaterial vorbeibringen, wenn etwas ausgeht.
Und noch so viele mehr…
Dieses Gold zeigt sich auch ganz konkret in der freiwilligen Mitarbeit - in Selman, Karim und Mehmet, die in der Küche mit anpacken; in Frau Richter im Büro und im Hausmeisterehepaar.
So viele Organisationen, so viele Einrichtungen, so viele einzelne Menschen -
alle tragen etwas bei.
Niemand besitzt alles, gemeinsam entsteht Fülle.
Das ist Gold, das im Teilen wächst.
Weihrauch - der Duft des Miteinanders
Der Weihrauch steht für das, was man nicht greifen, aber deutlich wahrnehmen kann:
den "Duft" des lebendigen, fröhlichen Miteinanders.
Es ist in der Atmosphäre spürbar, wenn Menschen sich freuen, einander zu sehen.
Wenn gelacht wird. Wenn gefeiert wird - auf ganz unterschiedliche Weise.
Wenn wir miteinander staunen und uns unter den Segen Gottes stellen,
egal welcher Religion wir angehören.
Dieser "Weihrauch" bleibt nicht auf einen Freitagnachmittag, an dem die Quartierstreffen stattfinden, beschränkt.
Dieser "Duft" zieht weiter - in den Alltag, in Gespräche, in Begegnungen danach.
Er ist das Gefühl: Wir sind auf derselben Wellenlänge.
Wir tragen eine ähnliche Sehnsucht in uns.
Oder wie eine Frau immer sagt: "Hier habe ich einen Platz und Menschen gefunden!"
Das Quartier wird so zu einem Ort, an dem das Heilige nicht erklärt, sondern erlebt wird.
Myrrhe - das Heilende im Dasein füreinander
Und dann ist da die Myrrhe.
Sie erinnert daran, dass zum Leben auch Schmerz, Sorge und Verletzlichkeit gehören - und dass Gemeinschaft und Miteinander guttun und heilsam sind.
Menschen stehen einander bei.
Sie teilen Vertrauen, Freude und Sorgen, mit Respekt und Offenheit füreinander.
Ganz konkret ist dies bei:
- Fragen nach Beratungsstellen,
- ·nach Arbeit,
- ·nach Wohnung,
- ·nach Unterstützung für Kinder,
- ·nach Lösungen für schulische Herausforderungen,
- ·nach einem Kitaplatz…
Oft ist es nicht sofort die Lösung, die hilft.
Viel mehr ist es dasZuhören. Das Wahrgenommenwerden.
Das Gefühl: Da setzt sich jemand für mich ein, da ist jemand an meiner Seite.
Diese Myrrhe heilt, indem sie Nähe schafft und das Gefühl von Verbundenheit stärkt.
Das sind keine kleineren Gaben als damals bei den Königen.
Sie sind groß, weil sie aus vielen Händen kommen.
Weil sie freiwillig gegeben werden.
Weil sie Alltag und Leben berühren.
Kein Dank kann dem wirklich gerecht werden.
Doch wir können davon erzählen.
Wir können dieses Glück und den Dank dafür sichtbar machen und teilen.
Hildegard Schnetz-Frangen