Zuhören, da sein, Hoffnung stärken: 17 engagierte Ehrenamtliche haben sich bei den Caritas-Konferenzen Deutschlands e. V. (CKD) Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart, für eine besondere Aufgabe qualifiziert - Menschen in ihrem Alltag spirituell zu begleiten und ihnen neue Kraft zu schenken.
Denn: Manchmal braucht es nur einen Menschen, der innehält, zuhört und bleibt - genau in dem Moment, in dem Fragen, Sorgen oder Sehnsüchte ein Gegenüber, ein DU, suchen. Für solche Augenblicke haben sich 16 Frauen und ein Mann auf den Weg gemacht, um als spirituelle Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter anderen Menschen Halt, Orientierung und Zuversicht zu geben.
Am 26.April 2026 beauftragten die Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKD), Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart, engagierte Freiwillige für ihren künftigen Dienst als spirituelle Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter.

In einem feierlichen Gottesdienst im Münster von Kloster Heiligkreuztal überreichte Caritasdirektor Oliver Merkelbach gemeinsam mit den CKD-Diözesanvorsitzenden Brigitte Neyer-Strohmaier (Stuttgart-Möhringen) und Marianne Rudhard (Ulm) die Beauftragungsurkunden und Zertifikate. Der Gottesdienst war von den Absolventinnen und Absolventen selbst gestaltet - ein sichtbares Zeichen ihrer gewachsenen spirituellen Kompetenz und ihres gemeinschaftlichen Engagements.
Gelebte Spiritualität, die weiterträgt
Auch nach dem offiziellen Abschluss war die Begeisterung der Teilnehmenden spürbar. Bei einer anschließenden Klosterführung mit Pfarrer Heinrich-Maria Burkhard vertieften sie ihre Eindrücke und tauschten sich über ihre Erfahrungen im Ausbildungskurs aus. Der Wunsch nach weiterer gemeinsamer Vertiefung wurde vielfach geäußert. "Im Ausbildungskurs war ganz schön viel Power - und wir sind eine tolle Gemeinschaft", brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt.
Diese Dynamik ist ausdrücklich Teil des Konzepts: An die Ausbildung schließt sich eine einjährige Praxisbegleitung in regionalen Coachinggruppen an. Darüber hinaus bieten die CKD jährlich Studientage oder Wochenenden an, um die Spiritualität zu vertiefen und das Konzept der Wegbegleitung weiterzuentwickeln.
Was bedeutet spirituelle Wegbegleitung?
Spirituelle Wegbegleitung heißt vor allem: zuwenden, zuhören und präsent sein. Die ausgebildeten Ehrenamtlichen stellen sich mit Aufmerksamkeit und Offenheit den Fragen, Sehnsüchten und Sorgen von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen.
Sie bringen sich unter anderem ein:
• in der Notfall- und Hospizarbeit
• am Kranken- oder Pflegebett
• in der caritativen Arbeit der Kirchengemeinden
• in sozialen Initiativen auf Dekanats-, Einrichtungs- oder kommunaler Ebene
Grundlage ihres Engagements ist der Wunsch, Menschen und Umwelt heilend zu begegnen, Ressourcen sichtbar zu machen und neue Kraft für den Alltag zu ermöglichen. Diese Aufgabe verlangt persönliche Stabilität, Reflexionsfähigkeit und eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Spiritualität.
Inhalte und Aufbau der Ausbildung
Der eineinhalbjährige Ausbildungskurs gliederte sich in fünf Module. Die Teilnehmenden reflektierten ihren eigenen Lebens- und Glaubensweg, entwickelten spirituelle Impulse für unterschiedliche Kontexte und setzten sich intensiv mit ihrem Verständnis von Spiritualität im Alltag auseinander.
Weitere Schwerpunkte waren:
• Erweiterung kommunikativer Kompetenzen
• kollegiale Beratung und Feedbackkultur
• Dynamiken von Gruppen, Rollen und Anforderungen
• Gestaltung von Ritualen, liturgischen Formen und Gebeten
Theoretisches Wissen und praktische Übungen waren eng miteinander verzahnt, um Sicherheit für den späteren Einsatz zu gewinnen.
Begleitung und Stärkung im Ehrenamt
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die einjährige Praxisbegleitung in Regionalgruppen. Bis Herbst 2027 treffen sich die neu Beauftragten regelmäßig - begleitet von einem Coach - zur Reflexion ihrer Erfahrungen. Ziel ist es, erste Schritte in der neuen Aufgabe zu besprechen, voneinander zu lernen und die eigene Handlungskompetenz weiterzuentwickeln.
In der Gesamtauswertung zeigte sich deutlich, wie wichtig solche unterstützenden Strukturen insbesondere in gesellschaftlich verunsichernden Zeiten sind. Kleine, tragfähige Gemeinschaften stärken Resilienz, Orientierung und Zusammenhalt - sowohl im kirchlichen als auch im kommunalen Umfeld.
Für ihre anspruchsvolle Aufgabe, oft auch in psychischen oder psychosozialen Notsituationen, benötigen Ehrenamtliche professionellen Rückhalt, Austausch und gelegentlich konkrete Entlastung. Die CKD schaffen hierfür verlässliche Rahmenbedingungen und setzen ein klares Zeichen für die Bedeutung spiritueller Wegbegleitung im freiwilligen Engagement.
Autorin: Sigrid Schorn, CKD-Diözesanreferentin und Beauftragte für Geistliche Begleitung